Da stand sie nun. Klein, mit eingefrorenen Füßen, einen dicken Schal um den Hals geschlungen und blickte aufs Meer. Eine kleine Tasche stand neben ihr. Das war ihr ganzes Hab und Gut. Den Rest hatte sie zurückgelassen, sie brauchte es nicht mehr. Eine gute Zeit lag vor ihr, das was hinter ihr lag wollte sie nur noch vergessen.
Freiheit, ein schönes Wort, aber das Freiheit so einsam sein konnte... Gut, das es in der Spelunke immer ein paar nette Wesen gab. Sie hielt ihr Stupsnäschen in den Wind und schnupperte Seeluft. Verdammt kalt hier draußen aber die Luft war auch herrlich salzig. Ein großer Becher Rum wäre genau das was sie nun gebrauchen könnte. Also ging sie in die Hafen-Spelunke. Hier hatte es ihr schon immer gefallen. Es war warm, gemütlich, lustig, immer lief coole Musik und es wurde immer gerockt und wenn man in der richtigen Ecke saß begegnete man auch nur den guten, lustigen und ehrlichen Wesen. Käseknabbernd saß sie am Tisch und beobachtete die Meute. Hier gab´s Rum mit Schirmchen! Und heißen Rum! Immer ein Lächeln und immer ein freundliches Wort. Vielleicht, wenn ich ihnen meinen selbstgemachten Rum-Käse anbiete... dachte sie, vielleicht gibt mir jemand Asyl. Ihr wurde eine Gartenbank angeboten, eine Decke besaß sie noch. Es würde gehen, für eine Zeitlang zumindest, auch wenn es verdammt kalt war draußen. Es gab eine Windgeschützte Ecke. Am Tag ging sie durch die Stadt, überall Piraten. Einige Male versteckte sie sich vor denen, die besonders gruselig aussahen. Sie klopfte an einige Türen und bat um Einlass um sich aufzuwärmen und wurde immer herzlich empfangen mit Kaffee und Rum mal im Becher, mal über die Füße um sie aufzutauen. Die Frage, ob Piraten eigentlich immer Rum tranken und alles mit Rum mischten lag nahe. Es wärmte herrlich. Als sie eines Abends wieder zu der Gartenbank kam stand dort ein großes Fass Rum und es steckte ein Schirmchen darin. Ein kleines Feuer brannte im Grill, zwei Piratenbräute kamen zu ihr und brachten was zu essen mit Rumsteak mit Rumsoße und Rumkartoffeln, sie wunderte sich nicht mehr! Dazu gab´s Rum, was sonst! Sie aßen, tranken und lachten bis spät in die Nacht. Geschichten wurden erzählt, lustige und traurige, von einer Kuh war die Rede die auf einer Insel lebte sozusagen eine Piratenkuh, die könnte der Rohmilchlieferant für meinen Käse werden - von internationalen Gefährten die hier lebten sehr gut für die Fremdsprachenförderung -, von Kamellen in Corsagen Piratenmode is schon manchmal seltsam - in dieser Stadt war einfach nichts unmöglich!
Nun war ihr klar, hier würde sie gern leben. Unter Mücken, Fröschen, Coolen und Piraten, mit und ohne Corsage und auch mit einer Kuh - das konnte nur lustig werden. Sie stand auf und rief: Ich will bei euch wohnen, hier ist es toll! Ängstlich guckte sie in viele Gesichter, setzte sich wieder und knabberte am Käse... Ne Sonnenbrille wär nun nicht schlecht... Ob die Piraten sie aufnehmen würden? Nun hieß es warten...
